Gedenken an Ruth Wagner
Trauergottesdienst in der Stadtkirche mit zahlreichen Gästen aus Politik und Gesellschaft
In einem Trauergottesdienst für Ruth Wagner am 23. Januar in der Stadtkirche Darmstadt haben zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter von Politik und Kultur der früheren hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst die letzte Ehre erwiesen. Die Darmstädter FDP-Politikerin war am 28. Dezember im Alter von 85 Jahren in Darmstadt verstorben. Raimund Wirth, Dekan des Evangelischen Dekanats Darmstadt, leitete die Liturgie und hielt die Predigt. Musikalisch wirkten Stadtkirchenkantor Christian Roß an der Orgel und der Solist Oliver Herbert am Cello mit.
Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, Ministerpräsident Boris Rhein, der frühere Ministerpräsident Roland Koch sowie zahlreiche amtierende und frühere Ministerinnen und Minister waren gekommen, ebenso Vertreterinnen und Vertreter der Freien Demokratischen Partei, deren Landesvorsitzende Ruth Wagner von 1995 bis 2005 war. Für die Darmstädter Politik nahmen der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Yücel Akdeniz, Oberbürgermeister Hanno Benz und viele weitere Personen teil, ebenso zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen.
In seiner Predigt stellte Raimund Wirth den Konfirmationsspruch von Ruth Wagner aus dem zweiten Brief des Paulus an Timotheus in den Mittelpunkt: „So jemand kämpft, wird er doch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht“. Er deutete ihn als Leitmotiv ihres Lebens: Es sei Ruth Wagner immer ein Anliegen gewesen, „fair und bei den Regeln der Demokratie zu bleiben und auch im harten inhaltlichen Streit menschlich anständig miteinander umzugehen“.
Nach dem frühen Tod des Vaters, im Krieg gefallen, als Ruth Wagner dreieinhalb Jahre alt war, sei sie mit Disziplin, Durchsetzungskraft und Förderung durch andere einen beeindruckenden Weg gegangen. Diese Haltung habe auch ihr politisches Wirken in der FDP geprägt, das sie bis in höchste Ämter führte, insbesondere als Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst und stellvertretende Ministerpräsidentin. „Sie wollte etwas bewegen, etwas verändern zum Guten, hin zu mehr Freiheit, hin zu mehr Verantwortung“, so Dr. Raimund Wirth. Die politische Leistung, die in Hessen immer mit ihrem Namen verbunden bleiben werde, sei der Hessische Hochschulpakt aus dem Jahr 2000. Auch die „härteste Zeit“ des politischen Lebens von Ruth Wagner ließ der Dekan nicht unerwähnt, als sie bei der Spendenaffäre der hessischen CDU 1999 und 2000 an der Koalition und der Zusammenarbeit mit Ministerpräsident Roland Koch festgehalten habe.
Getragen worden sei sie ihr Leben lang von ihrer Schwester und ihrer Familie, die sie liebevoll als „Clan“ bezeichnet habe. Für Zusammenhalt, Freiheit, Verantwortung und Gleichberechtigung habe sie zeitlebens verlässlich eingestanden. Auch nach ihrer aktiven politischen Zeit habe sich Ruth Wagner, die auch passionierte Malerin war, vielfältig engagiert, etwa für die christlich-jüdische Verständigung und die Erforschung jüdischer Geschichte, für die Kronberg Academy, die musikalischen Nachwuchs fördert, oder im Fundraising für die Orgel der Pauluskirche. „Ruth Wagner war zeitlebens der evangelischen Kirche eng verbunden“, so der Dekan, „und es wäre genau in ihrem Sinne, dass wir im Horizont des christlichen Glaubens und in der Gemeinschaft der Kirche von ihr Abschied nehmen.“
In seinem Nachruf würdigte Ministerpräsident Boris Rhein „Herz und Haltung“ von Ruth Wagner: „Hessen wäre nicht das, was es ist, ohne Ruth Wagner.“ Sie habe eine „enorme Kraft“ gehabt und sei „voller Energie und Tatendrang“ gewesen, immer „zugewandt, freundlich und offen“. Sie habe für Haltung, Sachkenntnis und Integrität gestanden. Sie sei eine „echte Liberale“ gewesen, frei in ihrer Überzeugung, für die sie entschlossen und leidenschaftlich eingetreten sei. Eine „richtige Kämpferin“ nannte Boris Rhein sie, „klar in der Sache“ und stets mit Respekt vor ihrem Gegenüber und vor anderen Meinungen. Ein Vorbild sei sie auch als erste Frau an der Spitze einer hessischen Partei gewesen. Bildung habe sie als Bürgerrecht angesehen, die Grundlage für Freiheit und Selbstbestimmung. Das Ministerium für Wissenschaft und Kunst habe sie zum Zukunftsministerium gemacht. „Sie war eine Benchmark guter hessischer Wissenschafts- und Kulturpolitik“, so Rhein. Ihre herausragende Lebensleistung sei eine Inspiration und „für uns alle Verpflichtung“.
Der Darmstädter Oberbürgermeister Hanno Benz hob hervor, dass Ruth Wagner „maßgebliche Impulse für die Identität Darmstadts“ gesetzt habe. 1978 wurde sie erstmals Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, zuletzt noch einmal von 2006 bis 2011. Als „bekennende Heinerin“ habe sie sich stets für ihre Stadt eingesetzt. Die Darmstädter schätzten sie, so Benz, der sie zitierte: „Politik ist nur dann gut, wenn sie wahrhaftig ist.“ Dies treffe den Kern ihrer Arbeit auf allen Ebenen. Benz‘ Liste der Dinge, die sie in Darmstadt unterstützt habe, war lang: drei Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Staatstheater, Akademie für Tonkunst, Centralstation, Schlossmuseum, Darmstadtium und den Weg der Mathildenhöhe zum Unesco-Welterbe. Sie habe Politik mit „einem großen bürgerschaftlichen Herzen“ gemacht. Als große Liberale habe sie sich zudem „den Feinden der Freiheit entgegengestellt“. Benz erinnerte an ihre Rede 2012 beim Protest gegen eine NPD-Kundgebung in der Stadt, in der sie dazu aufgerufen habe, „für Demokratie und Freiheit aufzustehen“. Dies sei heute aktueller denn je, so Benz.
Wiebke Knell, Fraktionsvorsitzende der FDP im Landtag, sagte in ihrem Nachruf, dass Ruth Wagner Partei und Fraktion durch ihre „Klarheit, Verlässlichkeit, ihren Mut und ihr Rückgrat“ geprägt habe wie nur wenige. Glaubwürdigkeit seien ihr wichtiger gewesen als Macht. Sie habe stets vorgelebt, dass Freiheit nicht selbstverständlich da sei, sondern verteidigt werden müsse. Wiebke Knell habe Ruth Wagner erstmals bei dem Sonderparteitag im Jahr 2000 erlebt, als es für die FDP darum ging, in der Koalition zu bleiben oder nicht. Hier habe sie sie als Menschen erlebt, der Verantwortung übernommen habe. Ruth Wagner werde immer Vorbild für die Fraktion bleiben, so Wiebke Knell, Maßstab sein und Orientierung geben. Auch Ruth Wagners Sinn für Schönheit hob sie hervor, genauso wie deren „Blick auf die nächste Generation“.
Dr. Thorsten Lieb, Vorsitzender der FDP Hessen, sagte, dass Ruth Wagner bei dem 80-jährigen Jubiläum, das die Hessische FDP am 24. Januar feiere, sicher viel zu erzählen gehabt hätte. Sie habe die gesamte Geschichte der hessischen FDP miterlebt, davon 54 Jahre als Mitglied und 23 Jahre im Landesvorstand. Die FDP sei traurig über den Verlust eines „klugen, feinsinnigen, humorigen und engagierten und eines der gradlinigsten und verlässlichsten Menschen“, der in der FDP eine große Lücke hinterlasse. Als zentrales politisches Vermächtnis hob er ihre „Fähigkeit zu vertrauen“ hervor. Ruth Wagner habe Politik als „Team-Disziplin“ gesehen. Ihr Eintreten für „Aufstieg durch Bildung“ nannte Dr. Thorsten Lieb ein weiteres zentrales Vermächtnis.
Zur Person: Ruth Wagner
1940 in Wolfskehlen geboren war Ruth Wagner nach dem Studium der Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaften in Frankfurt zunächst Gymnasiallehrerin an der Darmstädter Viktoriaschule. Als FDP-Politikerin war sie ab 1978 Mitglied im Hessischen Landtag, später Vize-Landtagspräsidentin und Landesvorsitzende der FDP Hessen sowie Mitglied im Bundesvorstand der FDP. Von 1999 bis 2003 war Ruth Wagner Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst und stellvertretende Ministerpräsidentin.
Ruth Wagner war in Darmstadt und der Region vielfältig ehrenamtlich aktiv. So war sie langjährige Stadtverordnete in Darmstadt und wirkte in zahlreichen Vereinen und Organisationen in den Bereichen Geschichte, Wissenschaft und Kultur mit. Unter anderem war sie Mitbegründerin des Rheingau Musik Festivals, Vorsitzende des Kunstvereins Darmstadt und Kuratoriumsvorsitzende des Kulturfonds RheinMain, zudem Vorsitzende der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen.
Ruth Wagner war der evangelischen Kirche immer eng verbunden. Auch hier wirkte sie ehrenamtlich mit, etwa durch die Übernahme der Schirmherrschaft einer Spendenaktion für die Sanierung der Konzertorgel der Darmstädter Pauluskirche.
- Dekanat
-
Kirchengemeinden
- Nachbarschaftsraum Nord
- Ev. Segensgemeinde Darmstadt
- Nachbarschaftsraum City-Süd
- Ev. Kirchengemeinde Roßdorf und Gundernhausen
- Nachbarschaftsraum Ober-Ramstadt
- Ev. Gesamtkirchengemeinde Mühltal
- Nachbarschaftsraum Weiterstadt/Erzhausen
- Nachbarschaftsraum West
- Nachbarschaftsraum Pfungstadt
- Ev. Kirchengemeinde in Darmstadt-Eberstadt
- Arbeitsbereiche
- Veranstaltungen
- Presse
- Dekanat
-
Kirchengemeinden
- Nachbarschaftsraum Nord
- Ev. Segensgemeinde Darmstadt
- Nachbarschaftsraum City-Süd
- Ev. Kirchengemeinde Roßdorf und Gundernhausen
- Nachbarschaftsraum Ober-Ramstadt
- Ev. Gesamtkirchengemeinde Mühltal
- Nachbarschaftsraum Weiterstadt/Erzhausen
- Nachbarschaftsraum West
- Nachbarschaftsraum Pfungstadt
- Ev. Kirchengemeinde in Darmstadt-Eberstadt
- Arbeitsbereiche
- Veranstaltungen
- Presse